Ratgeber Zuletzt aktualisiert: August 2026

Winterreifen aufziehen

wann Pflicht, was das Alpine-Symbol bedeutet

„Von O bis O“ kennt fast jeder – rechtlich bindend ist die Faustregel aber nicht. Wir zeigen, was tatsächlich in der StVO steht, warum M+S allein heute nicht mehr reicht und worauf es beim Reifenwechsel ankommt.

Was Winterreifen besonders macht

Winterreifen unterscheiden sich in zwei zentralen Punkten von Sommerreifen. Die Gummimischung ist weicher und bleibt auch bei tiefen Minusgraden elastisch – Sommerreifen werden bei Kälte hart und verlieren dadurch spürbar an Grip, selbst wenn gar kein Schnee liegt.

Zusätzlich ist das Profil für Schnee und Matsch optimiert: Es verdrängt die Nässe effektiver, sodass dein Auto nicht so leicht ins Aufschwimmen (Aquaplaning-Effekt) gerät wie mit einem Sommerprofil.

Wann du wechseln musst

Situative statt feste Reifenpflicht

In Deutschland gibt es keine festen Kalenderdaten für Winterreifen. Die StVO (§ 2 Abs. 3a) schreibt stattdessen vor: Bei Glatteis, Schneeglätte, Reifglätte, Schneematsch oder Eisglätte musst du mit geeigneten Reifen unterwegs sein – unabhängig vom Datum. Die Faustregel „von O bis O“ (Oktober bis Ostern) ist deshalb nur eine grobe Orientierung, keine rechtliche Vorgabe.

In der Praxis bedeutet das: Ein früher Wintereinbruch im November verlangt frühzeitig Winterreifen, ein milder Dezember erlaubt theoretisch länger Sommerreifen. Weil sich das Wetter selten exakt vorhersagen lässt, ist es trotzdem sinnvoll, rechtzeitig vor dem ersten Frost zu wechseln, statt auf den ersten Schnee zu warten.

Alpine-Symbol statt nur M+S

Lange galt die Kennzeichnung „M+S“ (Matsch und Schnee) als ausreichender Nachweis für Wintereignung. Das Problem: M+S ist eine unverbindliche Herstellerangabe ohne echte Prüfung – manche Reifen tragen sie, ohne tatsächlich für winterliche Bedingungen geeignet zu sein.

KennzeichnungBedeutungRechtlich ausreichend?
Alpine-Symbol (3PMSF)Schneeflocke vor Berg mit drei Gipfeln – geprüfte WintereignungJa
Nur „M+S“Unverbindliche Herstellerangabe, keine echte PrüfungNein (Übergangsfrist abgelaufen)

Für reine M+S-Reifen, die zwischen 2018 und 2024 produziert wurden, galt eine Übergangsfrist – diese ist inzwischen ausgelaufen. Seither zählt für rechtssichere Winterbereifung nur noch das Alpine-Symbol. Ein Blick auf die Reifenflanke schafft schnell Klarheit, welche Kennzeichnung deine aktuellen Reifen tragen.

Selbst wechseln oder Werkstatt?

  • Werkstatt oder Reifenspezialist

    Beide arbeiten meist mit Hebebühne und Druckluftschrauber, der Wechsel ist entsprechend schnell erledigt. Viele bieten zusätzlich die Einlagerung der jeweils nicht genutzten Reifen an, oft gegen Gebühr.

  • Selbst wechseln

    Du brauchst einen Wagenheber, einen Drehmomentschlüssel oder Radmutternschlüssel und idealerweise ein Kniepolster. Zusätzlich ausreichend Platz rund ums Auto – Garage, Carport oder ein ruhiger Parkplatz mit freien Nachbarstellplätzen eignen sich gut.

FAQ: Winterreifen

Ab wann brauche ich in Deutschland Winterreifen?
Es gibt keine festen Kalenderdaten, sondern eine sogenannte situative Winterreifenpflicht (§ 2 Abs. 3a StVO): Bei Glatteis, Schneeglätte, Reifglätte, Schneematsch oder Eisglätte musst du mit geeigneten Reifen (M+S mit Alpine-Symbol) unterwegs sein – unabhängig vom Datum. Die alte Faustregel „von O bis O“ (Oktober bis Ostern) ist als grobe Orientierung weiterhin brauchbar, aber rechtlich nicht bindend.
Was bedeutet das Alpine-Symbol und warum reicht M+S nicht mehr?
Das Alpine-Symbol (auch 3PMSF oder Schneeflocken-Symbol genannt, eine Schneeflocke vor einem Berg mit drei Gipfeln) bestätigt, dass ein Reifen tatsächlich für winterliche Bedingungen geprüft wurde. Die reine „M+S“-Kennzeichnung war früher ausreichend, ist aber unverbindlich und wird von manchen Herstellern auch auf Reifen ohne echte Wintereignung aufgedruckt. Für zwischen 2018 und 2024 produzierte reine M+S-Reifen galt eine Übergangsfrist – diese ist inzwischen abgelaufen, seither ist das Alpine-Symbol für rechtssichere Winterbereifung Pflicht.
Wie tief muss das Profil meiner Winterreifen mindestens sein?
Gesetzlich vorgeschrieben ist eine Mindestprofiltiefe von 1,6 mm, doch bei Winterreifen sinkt die Wirksamkeit deutlich früher: Experten empfehlen, Winterreifen bereits bei etwa 4 mm Restprofil zu erneuern, weil Grip auf Schnee und Matsch bei geringerer Tiefe spürbar nachlässt.
Was kostet es, ohne Winterreifen bei Glätte erwischt zu werden?
Bei winterlichen Straßenverhältnissen ohne geeignete Bereifung drohen Bußgelder ab etwa 60 Euro, bei Behinderung anderer Verkehrsteilnehmer mehr – in schwereren Fällen kommt ein Punkt in Flensburg hinzu. Zusätzlich kann die eigene Kfz-Versicherung bei einem Unfall unter diesen Umständen die Leistung kürzen.
Kann ich Ganzjahresreifen statt Winterreifen nutzen?
Ja, sofern sie ebenfalls das Alpine-Symbol tragen, erfüllen Ganzjahresreifen die gesetzlichen Anforderungen. Bei anhaltend winterlichen Bedingungen liefern reine Winterreifen durch die spezialisierte Gummimischung aber meist bessere Ergebnisse – Ganzjahresreifen sind ein Kompromiss für alle, die selten extreme Wetterlagen erleben.
Was brauche ich, um Reifen selbst zu wechseln?
Einen Wagenheber, einen Drehmomentschlüssel oder Radmutternschlüssel und idealerweise ein Kniepolster. Zusätzlich brauchst du ausreichend Platz rund ums Auto, um bequem an alle vier Räder zu kommen – dafür eignen sich die eigene Garage, ein Carport oder ein ruhiger Parkplatz mit mehreren freien Stellplätzen.

Winterreifen aufziehen: unsere Empfehlung

Verlass dich nicht allein auf den Kalender – die situative Reifenpflicht gilt, sobald winterliche Bedingungen herrschen, egal ob im Oktober oder im April. Wechsle rechtzeitig vor dem ersten Frost, statt auf den ersten Schnee zu warten.

Prüfe außerdem, ob deine Reifen das Alpine-Symbol tragen – reines M+S reicht seit Ablauf der Übergangsfrist nicht mehr aus.